Größere Unternehmen: Server im eigenen Haus?

Viele Unternehmen nutzen externe Clouds und lassen ihre Server in externen Rechenzentren betreuen.Welchen Sinn dies macht, muss immer der Einzelfall entscheiden.

Es gibt eine ganze Reihe an Gründen für ein größeres Unternehmen, eigene Server in einem hauseigenen Systemraum oder einem Firmenrechenzentrum laufen zu lassen. Neben den Belangen der IT-Sicherheit sowie des Datenschutzes spielen vor allem praktische Gesichtspunkte eine Rolle für die Entscheidung, bestimmte Serverrollen, Dienste oder Backoffice-Applikationen auf eigenen Servern zur Verfügung zu stellen. Eines der großen Rückgrate bzgl. der Kommunikation innerhalb einer IT-Infrastruktur ist das Messaging über die Mail-Server. Je nachdem, welches System eingesetzt wird, müssen bzw. sollten hauseigene Systeme dafür genutzt werden. Häufig macht es Sinn, andere Aufgaben wie das Anmeldeverfahren mitsamt der Namensauflösung über DNS (und ggf. WINS) oder spezielle Applikationen, die große Bandbreiten erfordern, auf lokalen Servern zu realisieren.

firmenserverLokale Server für das Mail-System eines Unternehmens

Ab einer bestimmten Größe können externe Mail-Systeme die Anzahl der Postfächer nicht oder nur unter erschwerten – und damit teureren – Bedingungen leisten. Moderne Mailing-Applikationen wie Microsoft Exchange erfordern zudem mehrere verschiedene Rollen. Postfachserver beherbergen nur die Daten, während CAS- und ggf. Edge-Server die Kommunikationswege umsetzen. Je größer ein Mailing-System wird, desto sinnvoller ist der Einsatz in einem eigenen Rechenzentrum. Eine Ausnahme wäre es, wenn die Bandbreiten der Leitungen zu einem externen Standort groß genug sind, um die Masse an Mail-Daten zu transportieren. In solchen Fällen ist es eine Abwägung und letztlich eine Frage der Kosten, welche Lösung mehr Sinn macht. Gerade bei Microsoft Exchange ist zudem zu beachten, dass die Mail-Server in einer Active-Directory-Domäne des Unternehmens eingebunden werden müssen. Dieser Punkt ist bei der Wahl des Standorts der Mail-Server ganz besonders wichtig. Bei Unternehmen, die mit mittleren oder kleineren Mail-Domänen auskommen, kann der Einsatz lokaler Server ebenfalls die richtige Wahl sein. Die Mail-Server müssen immer verfügbar sein, denn sie sind ein wesentlicher Teil der internen Kommunikation in einem Unternehmen. Daher sind auch Kanzleien und Arztpraxen im Zweifel bestens beraten, ihre Mail-Server lokal aufzustellen. Kleinere bis mittlere Umgebungen können mit einem verhältnismäßig geringen Aufwand installiert werden. Für die Wartung und im Fehlerfall kann dann externes Personal in Anspruch genommen werden. Es muss niemand mit einem Arztkittel einen Mail-Server administrieren.

Sinnvoller Einsatz eigener Server für die Bürokommunikation

Für die Bürokommunikation benötigt ein Unternehmen eine moderne Active-Directory- Umgebung. In diese sind nicht nur Mail-Server eingebunden. Ein AD braucht noch viel mehr Server-Rollen. Es fängt an mit dem Anmeldedienst und den Domänencontrollern. Sehr wichtig ist die Namensauflösung über DNS und WINS. Letzteres ist ein altes Microsoft-proprietäres Verfahren, das eigentlich spätestens seit Windows Server 2013 nicht mehr aktiv sein soll. Darauf sollte sich jedoch niemand wirklich verlassen. Neben den WINS- und DNS-Diensten kommt der Adressumsetzung über DHCP-Server eine besondere Bedeutung zu. Gerade diese BOOTP-Protokolladaption von Microsoft kann über mehrere Router-Hops hinweg sowie über größere Distanzen zu Fehlern und Timeouts führen. Für größere Unternehmen ist es daher immer ratsam, einen eigenen DHCP-Server im Haus zu haben.

Spezielle Anwendungen mit hohem Datendurchsatz

Viele kleine, mittlere und vor allem große Unternehmen haben neben der Bürokommunikation und den Web-Auftritten ganz spezielle Anwendungen, die u.a. für die Sachbearbeitung notwendig sind. Darunter fallen nicht nur SQL-Datenbankapplikationen, deren Backend auf mehr oder weniger umfangreichen SQL-Servern installiert werden muss. Je nach Umfang und Anforderung sollten diese lokal im Haus aufgestellt werden.
Oftmals wird in Unternehmen datenintensive Software eingesetzt, die einen lokalen Betrieb der dazugehörigen Server unabdingbar machen. Als Beispiel wären hier CAD-Programme zu nennen. CAD-Dateien können sehr schnell zu groß für den Transport über WAN-Leitungen werden. Ähnliches gilt für speicherintensive Medizinapplikationen (u.a. für Röntgen- oder MRT-Aufnahmen).

Sicherheit vor Produktion

Während es eine Reihe von technischen Gründen für den Einsatz lokaler Server gibt, bestehen bzgl. Datensicherheit und Datenschutz für alle Unternehmen sehr viele Argumente für das Betreiben eigener Dienstleistungsrechner. Ein Leitspruch in der IT-Branche lautet: „Sicherheit vor Produktion“. Das mag etwas verwirrend klingen. Wer sich jedoch vor Augen führt, dass bereits ein kurzzeitiger Ausfall der IT-Landschaft enorme Schäden anrichten kann, wird dieser Denkweise folgen. Es ist besser, wenn die Kasse mal wegen einer Notfalleinspielung eines Software-Updates eine Stunde nicht geht und das Personal „von Hand“ abkassieren muss, als wenn die Systeme für längere Zeit nicht nutzbar sind.

 

Die folgenden Punkte sind eine Auswahl an sicherheitsrelevanten Gründen für die Aufstellung unternehmenseigener Server, wobei die Administration von Firmenmitarbeitern oder externen Dienstleistern übernommen werden kann:
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  • Abwehr von Industriespionage
  • Einsatz von Auditing-Systemen für Datenschutz und Sicherheitsbelange
  • Absolute Kontrolle der firmeneigenen Server-Landschaft
  • Datenschutz in eigener Hand bzw. im eigenen Haus
  • Herstellung einer kompletten IT-Sicherheit (Firewalls, IDS-Systeme, Anti-Spam-Server, etc.)
  • Lokales Anti-Viren-Management mit 3-fachem Virenschutz (Viruswall, Virenscanner auf Servern und Clients)
  • Lokale Datensicherung
  • Windows-Update aller Clients und Server
  • Minimierung der Fehlerquellen
  • Schutz der persönlichen Daten (Kunden, Patienten, Firmeninternes, etc.)

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Weitere Informationen zum Thema

Eigener Mail-Server oder Hosted-Exchange – pcmagazin.de
Checkliste für Netzwerkschränke – kaiserkraft.de
Server für die eigene Website notwendig – selbstaendig-im-netz.de

2018-06-25T16:13:39+00:0003. März 2015|Netztheke, WebWork - Tipps, Tricks, News|